8. Spieltag: SG Wattenscheid 09 – Alemannia Aachen 1:2

Montag, 16.09.2019 20:15 Uhr – Lohrheidestadion
Zuschauer: 887; Gäste: ca. 350

„Es waren mal unsere Auswärtsspiele in Wattenscheid…“ So, oder so ähnlich könnten in ferner Zukunft Geschichten anfangen, mit denen wir unsere Enkelkinder am Lagerfeuer zum Schaudern bringen wollen. Was eigentlich eines der wenigen Duelle mit Traditionsvereinen auf beiden Seiten sein sollte, entwickelt sich immer mehr zur Horrorstory. Die Schuldigen sind ein Verein, der sich bei allem, was Fankultur beschneidet, bereitwillig vor den Karren spannen lässt und eine Bullerei, die ihre Inkompetenz bevorzugt beim Fußball zur Schau tragen will. Ersterer beteiligte sich vor ein paar Jahren schon gerne am Kampf von Skrzypski gegen die eigenen Fans. Und schrie nun freudig hier, als ein allseits unbeliebter Werbepartner von Sexhotlines einen Ersatz für die ins PayTV abgewanderte 2. Bundesliga suchte. (Zur Erklärung: Der von der knappen Mehrheit der Vereine befürwortete TV-Vertrag verleiht dem gastgebenden Verein das alleinige Recht, die Begegnung auf Montagabend zu verlegen). Die wildgewordene Meute Gesetzesuntreuer wiederum knüppelte vorherige Saison sowohl wahl-, grund- als auch unterschiedslos den gesamten Aachener Anhang aus dem Stadion.

Diese Umstände begleiteten uns also an diesem Montagabend auf unserem Weg nach Wattenscheid. Unrühmlicherweise bildete dieses Spiel auch noch den Anfang einer Serie von 5 (in Worten: Fünf!) Auswärtspielen unter der Woche in Folge. Zur Erinnerung: Wir spielen weder international, noch sind wir im DFB-Pokal vertreten, wir spielen lediglich fucking Regionalliga. Der Bogen spannt sich immer weiter und die Grenze des Erträglichen rückt näher. Dass unser Verein bei der ganzen Nummer seinen Teil dazu beiträgt, ließ die Drähte hinter den Kulissen bei Bekanntgabe der Spieltermine umso heißer glühen. Wie wir mit dieser ganzen Scheiße weiterhin verfahren werden, darüber sind wir uns selbst noch nicht ganz im klaren… (Mittlerweile wurde das Bonnspiel angeblich immerhin auf Sonntag verlegt. Dieses permanente Termingeschiebe macht’s aber nicht wirklich besser.)

Am Stadion angekommen wurde auch dem letzten Optimisten unter uns klar, dass bei den Herrschaften in blau natürlich kein Reifeprozess eingesetzt hatte. Vielmehr zeigten sie mal wieder ihr berühmtes wie deeskalierendes Sicherheitskonzept „Provozieren bis der Eumel blutet“, mit dem sie bisher bei jedem Fußballspiel für einen reibungslosen Ablauf gesorgt haben.

Völlig überzogene Einlasskontrollen führten dazu, dass der Aachener Anhang, zusammengepfercht wie Schlachtvieh durch unzählige Absperrgitter, eine halbe Ewigkeit vorm Stadion verharren durfte. Und als wäre das nicht genug, sollten auch noch die Materialtaschen der (O-Ton) „Erlebnisorientierten“ mit einem bizarren Prozedere untersucht werden. Die Einordnung in die Kategorie erlebnisorientiert nahm der geschulte Wachtmeister selbstredend mit der statistisch genausten Prüfmethode vor: dem Hinsehen. Unser Material sollte dabei einige Meter entfernt von uns im Dreck des dunklen Stadionvorplatzes liegen, während ein Spürhund sabbernd drüber latscht. Den Abstand brauchte der Hund angeblich zum Arbeiten. Bemerkenswert zudem, dass kein Spürhund, wie eher üblich, bei der Personenkontrolle eingesetzt wurde. (Da ist dann auf einmal kein Abstand mehr nötig). Der Spürhund stand zudem (kein Witz) kurz vor der Rente, durfte nur sehr kurz eingesetzt werden und brauchte lange Pausen (getreu dem Motto: der muss auch nichts mehr finden, der dient eh nur der Schikane). Obendrauf, quasi als i-Tüpfelchen, bestand noch die gute Chance, dass der alte Sack fälschlicherweise anschlägt. Und was dann? Hätten die Cops dann erstmal unser Material konfisziert? Und was hätte Bello der Rentner überhaupt finden sollen, was man mit einem einfachen Öffnen des Rucksacks und Ausbreiten der Fahnen nicht hätte finden können? Zumal selbst bei den Bullen durchgedrungen sein dürfte, dass selbst der weltgrößte Lurchie nicht mit einem Materialrucksack voll Pyrotechnik ins Stadion latscht.

Also, erlebnisorientiert wie wir nunmal sind, fackelten wir bei der abenteuerlichen Nummer nicht lang und griffen sie direkt dort an, wo sie am verwundbarsten sind: Argumentation. Der Oberbulle war auf das rhetorisch geschulte Klientel nicht vorbereitet und leistete mit dem Satz „Das ist wie Krieg, da müsst ihr (Deeskalationstrategie Nummer 1 im Polizeihandbuch: Herabwürdigen durch Duzen) jetzt einfach durch“ einen Offenbarungseid hinsichtlich Einstellung und Absicht mit der sie einen solch normalen Spieltag angehen. Die Hüter von Gesetz und Ordnung sehen Fußballfans also als Feinde in einem Krieg. Interessant. „Ihr habt die besseren Argumente als ich, aber das ist eben das Sicherheitskonzept“. Hier hat also jemand bewusst auf die Grenzen des Hinnehmbaren gezielt. Um was zu erreichen?

Eine Beteiligung an dieser Farce war für uns selbstredend unmöglich. Wir lassen uns sicherlich nicht zu Lemmingen degradieren, die dabei helfen, eine solche Herangehensweise zu legitimieren. Wenn wir solche Provokationen akzeptieren, was kommt dann morgen? Uns blieb nur Ehre einpacken und gehen.

Nachdem sich auch unsere Geschäftsführung bei der ganzen Sache mehr als peinlich verhalten hat (und sich auch noch ein paar Takte von uns anhören darf), ist das einzige Kompliment an diesem Abend unserer Mannschaft vorbehalten. Diese legte nach dem Sieg gegen den Tabellenführer tatsächlich nochmal nach und gestaltet so diese Saison wieder etwas erfreulicher.

Das Bild des Spieltags ist hier zu finden.

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