28. Spieltag: Alemannia Aachen – SV Rödinghausen 4:1

Samstag, 08.04.2017 14:00 Uhr – Tivoli
Zuschauer: 4.600; Gäste: ca. 20

Wir könnten uns an dieser Stelle wieder über den ehemaligen Geschäftsführer aufregen, der anscheinend den Großteil seiner Arbeitszeit in die Bekämpfung der eigenen Fans investierte und der kurz vor seinem Abgang noch unsere restlichen Auswärtsgegner anschrieb, damit diese sein bescheuertes Fahnenverbot durchsetzen. Wir könnten uns an dieser Stelle wieder über das abgetretene Team Versager 2018 aufregen, das die übersteigerte Erwartungshaltung schon im Namen trug und das unsere Alemannia mit eben dieser Einstellung aus der Insolvenz in die Insolvenz trieb. Aber weil wir das an dieser Stelle schon zur Genüge getan haben, lassen wir das einfach mal und erfreuen uns lieber an dem was wir jetzt haben. Eine Mannschaft, die durch den Insolvenzantrag nicht gehemmt wurde (wie viele befürchteten), sondern völlig befreit wirkt. Eine Mannschaft, die das zeigt, weswegen die Leute schon zu Opas Zeiten auf`n Tivoli gingen, den leidenschaftlichen Kampf für unsere Alemannia. Eine Mannschaft, die nach dem Abtritt von all den Personen, die im Duden als Exempel für einen klassischen Versager aufgeführt werden könnten, die Richtigkeit dessen beweist, was wir seit Jahren fordern: ungestörtes nachhaltiges Arbeiten, ohne kontraproduktiven Erfolgsdruck. Der Einstieg eines Investors würde den bisherigen Erfolgsdruck sogar nochmal vervielfachen (Grund Nummer 1052 warum ein Investor scheiße ist).

Wie bei den vorherigen beiden Spielen nach der Verkündung der Insolvenz kam die Mannschaft vor Spielbeginn erneut zu den Fans, um sich mit uns auf das Spiel einzustimmen. Und dass dies keine Heuchelei ist, zeigten sie erneut auf dem Platz. Zwar war die Vorstellung in der ersten Halbzeit noch eher mäßig überzeugend, doch was sie dann in der zweiten Halbzeit zeigten, war wie Balsam für jede Alemannia-Seele. Dass sie nach dem völlig unwahrscheinlichen Traumtor von Rödinghausen so zurückkommen würden, hatten wohl die wenigsten erwartet und machte diesen Tag umso schöner. Diese bärenstarke zweite Halbzeit führte letztlich zum hochverdienten 4:1 Sieg.

Die Stimmung auf den Rängen war fast analog zu der Leistung auf dem Platz. In Hälfte eins zeigte der Stimmungsblock höchstens eine durchschnittliche Heimleistung, wobei vor allem die Motivation ein auschlaggebendes Problem war. In der zweiten Halbzeit wurde die Motivation allerdings nicht erst durch die Führung befeuert, vielmehr stieg der Stimmungsblock schon mit dem Anpfiff hochmotoviert in diese geile saftige zweite Halbzeit ein, die beste seit langem. Die Liedauswahl war top, der Fahneneinsatz wieder überragend, einzig die Mitmachqoute hätte natürlich wie so oft besser sein können. Aber in dieser Situation, in dieser Liga, kann man schon stolz auf das Bild sein, dass die Aachener Ultraszene abgibt.

Insgesamt war es ein geiler Fußballnachmittag, der wieder einmal gezeigt hat, was dieser Verein wirklich braucht. Es sind keine ausgefuchsten innovativen Finanzlösungen, wie sie die oberschlauen „Ohne Investor ist alles scheiße“ Vögel von uns als Alternative zu ihrer heiligen Investorlösung fordern. Es ist ehrliche bodenständige Arbeit, es ist ein Zurückfahren des Budgets auf ein Niveau, das wir uns leisten können. Es ist arbeiten lassen ohne zu viel zu fordern. Es ist geduldig sein, auch wenn es mal nicht so gut funktioniert. Dafür braucht es Leute die solide und nachhaltig arbeiten und nicht die unangebrachte Erwartungshaltung schon im Namen tragen. Natürlich wird es dauern, bis so etwas Früchte trägt, es kann ewig dauern, aber es wird sich lohnen. Und wir Fans sind jetzt gefordert, uns in den nächsten Wochen genau hierfür einzusetzen und die Weichen für diesen Weg zu stellen. Den ersten Schritt haben die Fans gegen Rödinghausen schon getan, indem sie Fuat Kilic gezeigt haben, dass er der richtige für diesen Weg ist und wir diesen Weg mit ihm gehen wollen. Damit das tatsächlich passiert, müssen wir aber wohl noch etwas Überzeugungsarbeit leisten.  Wer jetzt immer noch von Bundesliga träumt und bereit ist, dafür die Seele dieses Vereins zu verkaufen, der sollte sich fragen, ob Alemannia überhaupt der richtige Verein für ihn ist.

In Ahlen am Ostersamstag werden wir sehen, ob die Mannschaft an die guten Leistungen der vergangen Spiele anknüpfen kann.

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