15. Spieltag: Alemannia Aachen – Borussia Dortmund II 0:1

Samstag, 29.10.2016 15:30 Uhr – Tivoli
Zuschauer: 5.200; Gäste: ca. 40

Nach vielen Gesprächen mit verschiedensten fachkundigen Personen ist man zu dem Entschluss gekommen, keine Kollektivstrafen gegen einzelne Gruppierungen auszusprechen, da so womöglich auch Personen bestraft werden würden, die keinerlei strafrelevanten [sic] Tätigkeiten ausgeführt oder dabei mitgewirkt haben“ (Homepage der Alemannia).

Vergangenen Mittwoch kam es zur großen Überraschung: wie aus heiterem Himmel wird von unserer Vereinsführung eine Strafe gegen die gesamte Aachener Fanszene verhangen. Bei Auswärtsspielen werden „nach Rücksprache mit den jeweiligen Gastvereinen [Anmerkung der YC-Redaktion: Wahrscheinlich sind die gastgebenden Vereine gemeint] keinerlei Blockfahnen, Zaunfahnen, Schwenkfahnen, Spruchbänder oder Banner zugelassen.“

Die verschiedensten fachkundigen Personen, mit welchen die Vereinsführung sich zusammengesetzt hat, scheinen wohl doch nicht allzu fachkundig zu sein, wenn diese nicht mal den Begriff der Kollektivstrafe verstanden haben. Wenn ein Verbot der elementarsten Bestandteile der Fankultur für ausnahmslos jeden Fanclub und jede Einzelperson keine kollektive Bestrafung ist, dann ist die Erde wohl auch noch eine Scheibe.

Die Alemannia hat sich dazu entschlossen, die Ursache zu bekämpfen.“ Dieses Zitat stellt ein weiteres inhaltliches Highlight in der Stellungnahme auf der Alemannia-Homepage dar. Dass Schwenk-/Zaunfahnen etc. der Grund für angebliche „Ausschreitungen“ sein sollen, ist wohl ein Schlag ins Gesicht für jeden Fußballfan, der seine Mannschaft bestmöglich unterstützen will. Dass jemand, der bei einem Fußballspiel ausschließlich auf Gewalttaten aus ist, keine Fahnen dabei hat und diese erst Recht nicht der Grund für Gewalt sind, müsste eigentlich jedem klar sein, außer den Experten die diese Kollektivstrafe beschlossen haben. Unsere Vereinsführung sollte sich besser echte fachkundige Personen suchen, die auch Ahnung von Fußball- und Fankultur haben, sowie von der Ethik, welche in der westlichen Kultur gelehrt wird. Dann sollte diesen deutlich werden, dass eine kollektive Bestrafung nicht mit unserer Kultur vereinbar ist.

Dass Verbände und Vereine mit den treuen Fans tun und lassen können, was sie wollen, ist aber leider schon länger traurige Wahrheit und wird wohl leider auch so bleiben.

Während letzte Saison insgesamt nur 1.500€ Strafe gegen die Alemannia verhangen wurde, sind es dieses Jahr plötzlich 4.000€, obwohl es schon länger keine so friedliche Saison mehr in Aachen gab, diese Tatsache wird aber offensichtlich völlig außen vor gelassen.

Leider sieht sich die Alemannia zu dieser Maßnahme gezwungen, […]“. Auch dies ist leider eine traurige Annahme der Geschäftsführung. Dass die getroffenen Maßnahmen völlig sinnlos, überzogen, zusammenhanglos und fehlgeleitet sind, dürfte mittlerweile klar sein. Aber vor allem gibt es keinen Grund, sich zu derartigen Maßnahmen gezwungen zu sehen. Wenn es etwas gibt, dass die angeblich so katastrophale Situation der Fans verschlimmert, dann sowas. Mit solchen Aktionen dreht man leider die Spirale aus Maßnahmen und dem entsprechenden Gegenreaktionen unnötig nach oben und sorgt damit viel eher für emotionale Trotzreaktionen der Fans.

Eigentlich würde man sich von einer guten Geschäftsführung Besonnenheit, Abwägung möglicher Maßnahmen und vor allem Dialog auf Augenhöhe wünschen. Dass dies aber nicht der Fall ist, liegt an unserem Geschäftsführer Timo Skrzypski, bei dem schon von Anfang an klar war, dass er die oben aufgezählten Attribute nicht besitzt. Ihm haben wir solche fast schon cholerisch wirkenden Maßnahmen zu verdanken, unter denen jeder einzelne Alemannia-Fan leiden muss. Aber was soll man anderes von einem Berliner Geschäftsmann erwarten, dem außer Macht und Wirtschaft wirklich alles, wie zum Beispiel Fankultur und vernünftige Kommunikation, am Arsch vorbei geht?

Timo Skrzypski geht nun eindeutig zu weit, weshalb wir an diesem Spieltag, lauter denn je, seinen Rausschmiss forderten.

Der Spieltag ging für uns etwas anders los, als gewohnt. Zwar traf unsere Gruppe sich wie immer zeitig, um den Samstagvormittag gemeinsam zu verbringen, jedoch fanden wir uns vor dem Spiel mit den anderen Ultragruppen an einem gemeinsamen Treffpunkt ein. Für das heutige Spiel hatten wir uns nämlich entschlossen, komplett auf den Support, optisch wie akustisch, zu verzichten, was natürlich im Vorfeld mit der Mannschaft abgesprochen wurde, bei den Jungs trafen wir auf Verständnis für unseren Schritt. Es geht nämlich nicht, dass wir bei Auswärtsspielen auf die wichtigsten Teile unserer Kultur verzichten, aber dafür Zuhause dann völlig am Rad drehen sollen, um das Image der Fankurve mit den vielen Fahnen und den abwechslungsreichen und ausdauernden Gesängen aufrecht zu erhalten. Natürlich geschickt eingefädelt vom lieben Timo, die Fahnen nur Auswärts zu verbieten, wo die Ultras häufig den größten Teil der mitgereisten Fans ausmachen.

Außerdem wurde vor dem Spiel mit der gesamten Vielzahl an Fanclubs abgesprochen, aus den oben genannten Gründen, auf Fahnen und Zaunfahnen zu verzichten, was auch gut klappte und sicherlich Wirkung zeigte. Der Zaun war komplett leer und weit und breit keine Fahne zu sehen.

Die Stimmung war in der ersten Halbzeit objektiv betrachtet nicht vorhanden, bis auf ein paar Gesänge die aber schnell abflachten. Auch in der zweiten Halbzeit wurde es nicht wirklich besser, gegen Ende des Spiels gab es noch „Du bist mein Stolz und meine Liebe“ in Dauerschleife, was ein größerer Teil der Kurve mittrug und auch eine ordentliche Lautstärke erreichte. Die anderen Gesänge wurden eher von den vielen Trommeln übertönt.

Der Stimmungsblock beschränkte sich auf „Skrzypski raus“-Rufe.

Gar nicht gut an diesem Spieltag war leider, dass man merkte, dass die Fans teilweise aufeinander sauer sind und ein nicht optimales Klima herrscht.

Wir sind alle Alemannen und müssen gerade jetzt, stärker denn je, zusammenhalten. Es ist natürlich verständlich, dass in solch einer schwierigen Situation Schuldige gesucht werden. Man sollte sich das Leben aber jetzt nicht allzu leicht machen und seine Informationen ausschließlich aus der Bild-Zeitung oder irgendwelchen sozialen Medien beziehen und den Ultras die Schuld an allem geben. Man sollte lieber die Handlungsweisen und die Sinnhaftigkeit von Maßnahmen von korrupten, machtgeilen Verbandsfunktionären hinterfragen, die wahrscheinlich noch nie im Stadion standen und sich nur fürs Geschäft, nicht aber für Fankultur, oder Fußball im allgemeinen interessieren. Warum zahlt ein ganzer Verein für das Fehlverhalten einzelner, warum wird ein Verein für etwas bestraft, was auf jedem zweiten Schulhof oder in jeder Disco Alltag ist (Gewalt) und dort keinen interessiert, oder an Silvester von jedem zweiten Familienvater praktiziert wird (Pyro). Und warum macht ein inkompetenter sogenannter Geschäftsführer so viel Aufwand für 4000€ – die über 100.000€ aber, also über die 25-fache Menge, die an einen unnötigen Sportdirektor verschwendet wurden, interessieren niemanden. Lasst niemanden einen Keil zwischen die Fanszene treiben, jedem ist freigestellt, wie er mit der Situation umgeht. Verurteilt aber niemanden wegen seinen Handlungsweisen und versucht, aufeinander acht zu geben. Denn nur gemeinsam sind wir stark, nur gemeinsam sind wir Alemannia!

Fußball gespielt wurde natürlich auch noch, schade, dass die Hauptsache, warum wir alle zur Alemannia fahren, mittlerweile so häufig in den Hintergrund rückt.

Unsere Mannschaft schaffte es bei dieser Partie deutlich besser als zuletzt gegen Gladbach II, zu verteidigen. Diesmal fiel das erste Gegentor erst nach 25 Minuten und nicht nach 40 Sekunden.

Erst in der zweiten Halbzeit kam es dann wieder zu nennenswerten Aktionen, kurz nach der Pause konnte die Alemannia sich per Freistoß eine Chance erspielen, unser Torwart Nagel konnte das 0:2 in der 57.Minute verhindern. Danach waren eindeutig unsere Jungs am Drücker, konnten aber mehrere Chancen zum Ausgleich nicht nutzen, weshalb man sich leider 0:1 geschlagen geben musste. Der Mannschaft kann man wieder keine Vorwürfe machen, schade, dass es nicht für einen Punkt gereicht hat.

Am zweiten November geht in der ersten Runde des FVM-Pokals mal wieder nach Wegberg. Man darf gespannt sein, wie sich die Situation rund um Fanszene und Verein bis dahin entwickelt.

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