30. Spieltag: TuS Erndtebrück – Alemannia Aachen 1:2

Donnerstag 24.03.2016 19:30 Uhr – Leimbachstadion
Zuschauer: 554; Gäste: ca. 250

Nach dem spielfreien Wochenende sah der in diesem Punkt etwas ungewöhnliche Terminkalender gleich zwei Spieltage um Ostern herum vor, also englische Woche light sozusagen. Den Anfang sollte am Gründonnerstag die Begegnung gegen den TuS Erndtebrück machen, dessen Heimat wohl vor dieser Saison den wenigsten ein Begriff gewesen sein dürfte. Und wenn dieses Dorf auf einem ähnlichen Niveau agiert wie sein höchstklassiger Fußballverein (dazu später mehr), dann muss man wohl auch sagen: zurecht. Eine Aussage darüber können wir aber leider nicht treffen, da das Spiel ins Leimbachstadion der Sportfreunde Siegen verlegt wurde. Bei der Anzahl an Auswärtsfahrern an diesem Abend hätte man sich das aber wohl auch sparen können. Zumal uns dieser Dorfverein das einzig positive was er zu bieten gehabt hätte dadurch auch nicht geben konnte, nämlich einen neuen Ground – darf also gerne wieder absteigen.    

Wir als Gruppe traten die Reise ins Siegerland mit dem Bus wie gewohnt frühzeitig an, um durch so unvorhersehbare Dinge wie Stau oder sonstige Ereignisse nicht in Zeitnot zu geraten. Und an diesem Tag trat dann tatsächlich auch eins dieser sonstigen Ereignisse in Form einer Buspanne ein. Bevor sich aber die ersten unter uns ernsthafte Sorgen machen mussten, nach mehreren Jahren wiedermal ein Spiel unserer Alemannia zu verpassen, entpuppte sich die Panne als Bedienfehler der komplexen Bustechnik und so ging es lediglich mit einer Stunde Verspätung auf die Bahn zurück. Dank des Zeitpuffers kamen wir – und auch die Bullen, die aufgrund unserer Verspätung schon panisch beim Busfahrer anriefen – mit einem Schrecken davon und erreichten Siegen etwa eine Stunde vor Spielbeginn.

Vor Ort offenbarte uns der gastgebende Verein aus dem unbekannten Dorf dann Teil 2 der Liste seiner Unzulänglichkeiten. Teil 1 begann damit, dass die Kommunikation mit der Alemannia eher dürftig ausfiel und in den letzten eineinhalb Wochen wohl praktisch gar nicht stattfand. Dabei hatte man da besonderen Redebedarf, weil Erndtebrück einfach keine Gästekarten nach Aachen schickte, was natürlich gerade für uns Auswärtsdauerkartenbesitzer ein Problem darstellt. So mussten wir notgedrungen die Karten vor Ort kaufen, die wir ja eigentlich schon bezahlt hatten und uns das Geld von Alemannia zurückholen. Unnötiger Mehraufwand! Beim Kauf der „Karten“ zeigte sich dann allerdings, warum Erndtebrück keine Gästekarten verschickte: Sie hatten keine. Sie händigten uns lediglich kleine Bons aus, die man von Festzelten kennt und theoretisch überall billig kaufen kann. Die Liga wird immer deprimierender.

Mit der Karlsbande hatten wir vorab geklärt, dass wir aufgrund der niedrigen Zahl an zu erwartenden Auswärtsfahrern gemeinsam auf den überdachten Sitzblock gehen werden, da uns dieser laut offiziellen Aussagen ebenfalls zur Verfügung stehen würde. Vor Ort erklärten uns dann aber die Dorfbeauftragten in einer höchst unangemessenen Art und Weise, dass der Sitzplatz nur für Leute erlaubt sei, die sitzen müssten. Zudem würden sie uns, wenn wir weiter diskutieren würden, unser Spruchband, dass wir zu Ehren von Jupp Martinellis 80. Geburtstag anfertigten, verbieten. Was ein Kindergarten!

Gemeinsam beschloss die Aachener Ultraszene daraufhin, dass wir uns sowas von diesen Dorfvereinen, die uns in dieser Liga schon oft mit unnötigen Restriktionen genervt haben, nicht gefallen ließen. So entschieden wir uns dafür, erst 15 Minuten nach Anpfiff das Stadion zu betreten und auch dann erst Karten zu kaufen, um den Dorfverein wenigstens eine gewisse Zeit lang glauben zu lassen, dass er seine geplanten Einnahmen etwas nach unten korrigieren muss. Hart werden wir sie damit wahrscheinlich nicht getroffen haben, aber immerhin haben wir gezeigt, dass wir uns in dieser Drecksliga nicht alles gefallen lassen. Mehr war aus dieser Situation nicht rauszuholen, sodass wir mit der Entscheidung und insbesondere ihrer geschlossenen Ausführung sehr zufrieden sein können.    

Einziger Wehrmutstropfen bei dieser Entscheidung war natürlich die Tatsache, dass wir unsere Mannschaft nicht unterstützen konnten. An diesem Abend bekam sie das allerdings auch gut alleine hin und führte bei unserem Betreten des Blocks schon 1:0. Mit den anderen Gruppen beflaggten wir schnellstmöglich den Block, der sich sehr geschlossen präsentierte und gaben die restlichen Minuten bis zur Halbzeit Vollgas. Die Mannschaft bedankte sich und erhöhte mit dem Pausenpfiff auf 2:0.

Auch in der zweiten Halbzeit konnte die Aachener Ultraszene ein stimmiges Bild mit sehr gutem Fahneneinsatz und guter Bewegung im Block abgeben. Die Liedauswahl war durchweg sehr gut und auch bei der Anzahl der Wiederholungen gab es praktisch nichts zu meckern. Die Lautstärke dürfte die Gegengrade zwar nicht aus den Sitzschalen gehoben haben, aber für die Bedingungen mit dem fehlenden Dach und den „nur“ etwa 100 supportwilligen entsprach sie in etwa den Möglichkeiten.

Die Schwarz-Gelben auf dem Platz hatten da in der Halbzeit schon mehr Luft nach oben und so wurde es durch den schnellen Anschlusstreffer nochmal spannend und man hätte sich über den Ausgleichstreffer nicht beschweren dürfen. Letztlich fiel der aber nicht und wir konnten einen glücklichen Auswärtssieg über einen Abstiegskandidaten bejubeln.

Die Rückreise lief dann wesentlich entspannter als die Hinreise und so konnten wir gegen Mitternacht wieder Heimatboden betreten. Bereits am Ostermontag geht es dann zu Hause gegen die SG Wattenscheid.    

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