Corona-Spieltage 2021/22

Es ist Sommer 2021. Die Pandemie hat uns jetzt seit fast eineinhalb Jahren im Würgegriff. Gefühlt kennen wir Fußballstadien nur noch aus Erzählungen unserer Großväter.  Dass es dabei in dieser Drecksliga mehr umzäunte Erdhügel denn richtige Fußballstadien gibt, verursacht auch keinen Ausschlag mehr. In unseren sehnsuchtsdurchtränkten Träumen lechzen wir vielmehr nach umzäunten Erdhügeln. Straelen Auswärts – was früher Brechreiz verursacht hat, lässt heute Zelte bauen. Die Welt ist aus den Fugen geraten und die Pisse nimmt einfach kein Ende. Vielmehr steht die nächste verlorene Saison ins Haus. Um den Bezug zur Mannschaft und Geschehen auf dem Rasen nicht gänzlich zu verlieren, sind wir schon in der Saison 20/21 alles gefahren, was aus den geltenden Corona-Regeln rauszuholen war. In der aktuellen Saison wollten und haben wir dieses Vorgehen weiter intensiviert. Der Umstand, dass wir erst gar nicht vorhatten das Stadion zu betreten, ergab neue Perspektiven und ganz andere Arten von Auswärtsfahrten. Keine Alternativen, aber wir machten uns die Welt, widdewidde wie sie uns gefällt….

Zum Auftakt dieser Spielzeit stand mit einem Auswärtsspiel bei Preußen Münster direkt eine Begegnung mit etwas Brisanz auf dem Plan. Und so versammelte sich in den frühen Morgenstunden eine größere Abordnung bestehend aus Teilen der Ultraszene und der sportlich orientierten Fraktion, um die Reise zum alten Rivalen anzutreten. Ursprünglich war geplant eine Kneipe in der Altstadt anzusteuern, aufgrund der vor Ort vorgefundenen Gegebenheiten musste aber spontan umgeplant werden. So steuerte die Kolonne aus Fahrzeugen in Richtung Stadion und kam dabei auch rein zufällig am Heimeingang vorbei. Dort trafen die Insassen der vorderen Fahrzeuge auf einige Nachzügler aus der Münsteraner Fanszene und es kam zu einem kurzen Austausch von Nettigkeiten. Bevor sich aber die restlichen Aachener diesem Austausch anschließen konnten, trat die Polizei auf den Plan, um aus Vorsicht vor Corona Kontaktbeschränkungen zwischen Aachenern und Münsteranern durchzusetzen. Anschließend fand sich die Aachener Delegation in einem Polizeikessel wieder und wurde nach Abgabe der Personalien, mit einem Platzverweis für das gesamte Stadtgebiet im Gepäck, zurück zur Autobahn geleitet.

Das erste Heimspiel der Saison leiteten wir mit einem gemeinsamen Frühstück in unserer Räumlichkeit ein. Anschließend stand ein kleiner Fußmarsch zum Stadion an, wo wir uns hinter der gesperrten Stehtribüne platzierten, um von dort dem Spielgeschehen zu lauschen. Im Stadion wurde, wie bei jedem der folgenden Heimspiele, ein Spruchband gegen die geltenden Auflagen aufgehängt.

Mit dem Auswärtsspiel beim SV Lippstadt stand eine angenehme Abwechslung für uns bereit. Da die damalige Coronaschutzverordnung Zugangsbeschränkungen und weitere Auflagen nur für Spiele mit über 3000 Zuschauern vorsah, betraten wir zum ersten und auch bis dato einzigem Ligaspiel dieser Saison das Stadion. Die Ultraszene positionierte sich, ohne sämtliches Material, hinter dem Tor um die Mannschaft situationsbedingt zu supporten.

Die angenehme Abwechslung hielt aber nicht lange an, sodass beim anschließenden Heimspiel gegen Oberhausen schon wieder sämtliche Coronaregeln in Kraft waren und wir erneut dem Inneren des Stadions fernblieben. Dennoch hatte der Spieltag seine Momente. Zu Beginn des Tages traf sich die Aachener Szene in einer Kneipe in der Stadt um anschließend gemeinsam zum Stadion zu Laufen. Am Stadion angekommen, führten die geöffneten Blöcke zu etwas Verwirrung, sodass der Mob aus Versehen am Gästeblock vorbeischlenderte. Die Gäste aus Oberhausen schienen sich darüber auch so sehr zu freuen, dass sie direkt ein Tor zum Block hin öffneten, damit sich beide Seiten entsprechend begrüßen könnten. Die Polizei unterband diesen Versuch aber. Auch nach dem Spiel scheiterte der Versuch überwiegend die Oberhausener zu verabschieden. Die Polizei machte es uns in dieser Spielzeit nicht leicht, neue Kontakte zu knüpfen. Ein Problem, welches sich auch am nächsten Spieltag weiterführen sollte.

Da der KFC Uerdingen neben seiner beschissenen Anhängerschaft ja bekanntlich noch weitere Probleme hat, trägt dieser seine Heimspiele derzeit in Velbert aus. Da der Aachener an sich aber kein großer Freund von Veränderung ist, beschloss die Ultraszene vor dem Spiel trotzdem zunächst nach Krefeld zu fahren und dort einen Biergarten anzusteuern. Da NRWs BFE Einheiten aber anscheinend der Meinung sind, dass man es echt keinem Menschen von außerhalb zumuten kann sich in Krefeld aufzuhalten, wurden unsere Fahrzeuge noch vor der Stadtgrenze abgefangen und auf einem Parkplatz festgehalten. Nach stundenlanger Kontrolle wurden die Fahrzeuge dann nach Velbert geleitet, wo wir noch etwas Zeit in einer Lokalität in der Nähe des Stadions verbringen konnten. Anschließend wurden wir zum Gästeblock begleitet. Allerdings durfte nur der Teil der Szene den Gästeparkplatz betreten, der über Eintrittskarten verfügte. Während wir unsere Fahrzeuge umparkten und uns auf dem Weg zum Stadion machten, startete der anwesende Teil der Szene einen Angriff auf den Heimsektor. Als Folge dessen wurde uns der Zutritt zum Stadiongelände untersagt. An unserem anschließenden Fußmarsch am Heimblock vorbei auf einen Sportplatz, von dem aus man das Spiel verfolgen konnte, störte sich die Polizei zunächst aber nicht. Mal wieder eine absolute Glanzleistung der Staatsmacht.

Nach einem ereignislosen Spiel vor den Toren beim Heimspiel gegen Wiedenbrück blieb beim Auswärtsspiel bei den Kölner Amateuren die gesamte Ultraszene dem Stadion fern, da mit dem FC der erste Verein in dieser Liga auf die 2G-Regeln zurückgriff. Vor den Toren wurden einige Lieder in Richtung Stadion geschmettert und der erste Sieg in dieser Saison bejubelt.

Die Reise zum Auswärtsspiel beim Bonner SC trat die Ultraszene mit dem Zug an und zum ersten Mal in dieser Saison funkte uns nicht die Polizei dazwischen, sodass wir uns tatsächlich nach einem kurzen Fußmarsch in einem Biergarten niederlassen konnten. Nach dem ein oder anderen Getränk ging es anschließend zu Fuß zum Stadion. Unsere Gruppe machte das Beste aus den örtlichen Gegebenheiten und schmetterte von draußen das ein oder andere Lied in Richtung Spielfeld.

Ohne besondere Vorkommnisse gestaltete sich das Heimspiel gegen die Gladbacher U23, allerdings konnte das gute Wetter genutzt und der Grill angeschmissen werden.

In Lotte verbrachten wir das Spiel, wie gewohnt, vor den Stadiontoren. Um dies etwas erträglicher zu gestalten, organisierten wir mit mehreren Laptops unser eigenes Public-Viewing. Das Spiel auf dem Rasen bot allerdings keinen Grund zur Freude. Im Stadion entlud sich nach Abpfiff der Frust und einige Aachener betraten den Rasen.

Als Reaktion auf den sportlichen Offenbarungseid auf dem Rasen, besuchte die Ultraszene das Abschlusstraining vor dem Heimspiel gegen den Wegberg-Beeck. Mit Gesängen, reichlich Pyro und einigen abschließenden Worten wurde die Mannschaft auf die wichtige Partie eingestimmt. Die Aktion entfaltete zumindest kurzfristig Ihre Wirkung, sodass wir am folgenden Tag einen souveränen Sieg der Alemannia, vor den Toren, miterleben konnten.

Am darauffolgenden Wochenende, beim Auswärtsspiel in Rödinghausen, ergab sich wieder einmal die Möglichkeit, von außerhalb des Stadions einen Blick aufs Spielfeld zu werfen. So konnten wir dabei die Mannschaft einigermaßen akustisch unterstützen und einen Ausgleich in der letzten Sekunde bejubeln.

Anlass zur Freude lieferte die Mannschaft uns am kommenden Heimspiel gegen Ahlen aber gewiss nicht. Am Ende eines desaströsen Auftritts musste auch Trainer Patrick Helmes seinen Hut nehmen. Da wir aber faire Sportsmänner sind, ließ es sich eine Abordnung Aachener nicht nehmen, den mitgereisten Ahlenern noch einmal persönlich zum Sieg ihrer Mannschaft zu gratulieren.

Beim Pokalspiel in Arnoldsweiler trat zum zweiten Mal in dieser Saison der Fall ein, dass es aufgrund der Zuschauerzahl keine Zugangs- oder sonstige Beschränkungen gab. So entschlossen sich die Karlsbande und wir bei diesem Spiel gemeinsam hinter der “Wir sind Alemannia Aachen”-Zaunfahne aufzutreten und den Support zu koordinieren. Da dies bekanntlich auf einer vernünftigen Tribüne besser geht als auf einem Erdhügel, wurde kurzerhand der Gästeblock auf die Haupttribüne verlagert. 

Die Planungen für das Aufeinandertreffen mit unseren Freunden von Rot-Weiss Essen begannen recht frühzeitig und es wurde eine Vielzahl von möglichen Reiserouten ausgelotet. Am Ende entschied sich die Szene mit Autos bis nach Bottrop zu reisen und von dort die letzten Meter mit der S-Bahn bis nach Essen zu fahren. Leider wurde der Mob am Ende doch von einem Zivi entdeckt, sodass unsere Bahn in Essen-Dellwig-Ost von der Polizei angehalten und eingekesselt wurde. In einem langatmigen mehrstündigen Verfahren wurden anschließend alle Insassen aus der Bahn geholt und erkennungsdienstlich behandelt. Im Anschluss erhielten alle einen Platzverweis für das gesamte Essener Stadtgebiet und wurden von der Polizei zu den Autos und zurück in Richtung Aachen eskortiert. Somit scheiterte erneut eine Auswärtstour an einem massiven Einsatz der Polizei. Wir können natürlich nur darüber mutmaßen, ob dieser Polizeieinsatz darauf beruhte, dass die Essener Szene, wie wir später erfuhren, zwei Bahnhöfe weiter auf die Bahn wartete.

Nach einem ereignislosen Heimspiel gegen den SV Straelen stand beim Auswärtsspiel in Wuppertal der nächste Teil unserer Fehde mit der Polizei auf dem Plan. Im Vorfeld der Partie versuchten die Bullen alles, damit niemand ohne Karte nach Wuppertal fährt. Sie sprachen ein Betretungsverbot für Aachener für ganz Wuppertal aus und drohten mit Stadionverboten bei Zuwiderhandlung. Wir wollten diese Maßnahmen nicht hinnehmen und versuchten ein Zeichen gegen diese willkürliche Polizeitaktik zu setzen. So mieden wir das Stadion und steuerten über Schleichwege das Zentrum der Stadt Wuppertal an. Hier machten wir uns akustisch bemerkbar und schlenderten durch Wuppertal. Die Bullen hatten damit anscheinend nicht gerechnet und kamen uns nicht auf die Schliche. Also wurden wir quasi dazu gezwungen ein Mobfoto am Polizeipräsidium Wuppertal zu machen. Anschließend fuhren wir nach Abpfiff des Spiels völlig unbehelligt von der Wuppertaler Polizei wieder gen Aachen.      

Die anschließende zweite Runde im Pokal, als Auswärtsspiel zu Hause, sowie das planmäßige Heimspiel gegen Fortuna Köln verbrachten wir wie gewohnt vor dem Tivoli.

Auch die Partie bei der U23 von Fortuna Düsseldorf verbrachten wir im Regen vor den Toren. Im Anschluss an eine erneute Niederlage wurden Mannschaft und sportliche Leitung in einem langen und teils emotionalen, aber stets fairen Gespräch zur Rede gestellt.

Gebracht hatte die Ansage an die Mannschaft zunächst aber nicht viel, so bot Sie beim Rückrundenauftakt gegen Münster erneut eine schwache Leistung dar. Einen ebenso schwachen Auftritt legte die Münsteraner Fanszene hin, die sich trotz der Ereignisse des Hinspiels und anderslautender Ankündigungen nicht nach Aachen traute. So wartete die Aachener Szene umsonst im Vorfeld des Spiels auf den Gegner und musste sich schließlich unverrichteter Dinge auf den Weg zum Stadion machen. Dort verbrachten wir erneut das Spiel hinter der gesperrten Stehplatztribüne.

Zum letzten Spiel vor der Winterpause reisten wir zu den Schalker Amateuren, die gegen uns das umgebaute Parkstadion wieder eröffneten. Das Stadion hat außer dem Namen zwar nicht mehr viel mit dem ursprünglichen Stadion zu tun, immerhin konnten wir aber so das Spiel von draußen verfolgen und die Mannschaft im Rahmen der Gegebenheiten unterstützen.

Die Wiederaufnahme des Spielbetriebes nach der Winterpause startete mit den Spielen gegen Lippstadt, Krefeld, Homberg, Bonn und dem Pokalspiel gegen Langerwehe als erneutes heimisches Auswärtsspiel ein waschechter Heimspiel-Marathon. Die Spiele wurden von uns in der gewohnten Weise angegangen. Erfreulicherweise konnte die Mannschaft einige diese Spielreihe ohne Niederlage abschließen, so dass sich unsere Ausgangslage im Abstiegskampf etwas besserte. Das dazwischen angesetzte Auswärtsspiel beim SC Wiedenbrück stellte das einzige Spiel in dieser Saison dar, bei dem wir nicht als Gruppe anwesend sein konnten, da sich zu diesem Zeitpunkt der überwiegende Teil der Gruppenmitglieder in Isolation befanden.

Bei den Amateuren von Gladbach riss diese Serie aber und verpasste der Aufbruchsstimmung aus den vergangenen Spielen einen herben Dämpfer. Das Spiel verbrachten wir nach einem gemeinsamen Fußmarsch der Ultraszene vom Bahnhof aus vor den Toren des Grenzlandstadions.

Das Heimspiel gegen Lotte bot das gewohnte Bild eines Heimspiels. Die Mannschaft sicherte sich aber dieses Mal wieder wichtige Punkte im Duell mit einem direkten Kontrahenten aus dem Tabellenkeller.

Beim Gastspiel in Oberhausen war auf dem Rasen dann aber wieder nichts für die Alemannia zu holen. Auch außerhalb des Stadions konnte nichts zählbares verzeichnet werden. So blieb es im Endeffekt bei ein paar Rennereien mit der Polizei. So scheiterte auch unser Versuch, nach dem Spiel wieder auf die andere Seite des Stadions zu den Oberhausenern zu gelangen. Auch eine zweite Gelegenheit, als die Polizei den Oberhausener Mob an unserem Parkplatz vorbei führte und einige sich kurzzeitig von ihren Begleitern lösen konnten, scheiterte schlussendlich an einer sich schließenden Polizeikette. 

Ein Zurückdrehen der Beschränkungsschraube ereignete sich zum Auswärtsspiel bei Wegberg-Beeck. Die 2G-Regel fiel und wurde durch die 3G-Regel ersetzt. Die Karlsbande entschied sich daraufhin wieder als Gruppe im Stadion aufzutreten. Wir hingegen entschieden uns weiterhin aufgrund dieser Zugangsbeschränkung gegen eine Rückkehr und verfolgten das Spiel wie gewohnt vor dem Zaun.

Das Heimspiel gegen Rödinghausen stellt nach bisherigem Stand der Coronaschutzverordnung das vorerst letzte Spiel dar, welches wir vor den Toren unseres Stadions verbrachten.

Die Bilder der Spieltage sind hier zu finden.

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